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31 Juli 2015 @ 22:07
Der Traum wird Wirklichkeit  
Kinder sind schon was Tolles, zumindest, wenn es nicht die eigenen sind. Mal ein oder zwei Stunden darauf aufpassen, kein Problem, solange es nicht den ganzen Tag sein muss. So denken vielleicht einige, ich selbst hatte mich mit dem Thema aber eigentlich nie genauer befasst. Ich wollte zwar irgendwann eine Familie gründen, doch ohne die passende (oder irgendeine) Partnerin ist sowas nunmal nicht möglich. Doch das, woran noch vor einiger Zeit nicht zu träumen war, ist mir nun endlich gelungen. In den letzten drei Jahren nahm mein Leben eine rasante Entwicklung, Zeit wurde es allemal.

Seit der Entdeckung des Internets war ich auf Partnersuche. Draußen war ich einfach zu schüchtern, um mal jemanden anzusprechen und Schreiben konnte ich immer schon besser als Reden. Also ran an die Tasten und diverse Frauen angeschrieben. Allzu viel besser als in der Realität verlief es jedoch auch nicht, denn Online-Datingplattformen waren zumindest damals stark überlaufen von Männern, darunter auch Spinner, Gestörte und Perverse. Frauen bekamen teilweise hunderte Zuschriften pro Woche, als Mann musste man selbst aktiv werden. Doch wie wählt man nun die Richtige aus? Klar, erstmal anhand des Fotos, wenn man Glück hatte stand auch noch eine kleine Beschreibung dabei, so dass man sich ein etwas genaueres Bild machen konnte. Frauen mit Hund schloss ich schonmal aus (denn ich hatte Angst vor Hunden) und welche mit einem nicht passenden Musikgeschmack ebenfalls, dennoch blieben meistens zu viele übrig, so dass ich immer weiter anhand der Postleitzahl einschränkte, bis die Ergebnisliste auf ein erträgliches Maß sank. Fake-Profile gab es natürlich auch, die Dich dann auf kostenpflichtige Seiten locken wollten, aber das ist wiederum ein ganz anderes Thema. Wenn man Glück hatte, bekam man jedoch eine Antwort und wenn man großes Glück hatte bestand diese aus mehr als drei Zeilen. Oft kam das bei mir wahrlich nicht vor, einige Kontakte kamen so aber immerhin zustande. Zu einem Treffen war das jedoch noch ein weiter Weg und diese sind wirklich an einer Hand abzuzählen. Es gab aber auch Zeiten, wo ich einfach keine Lust mehr hatte. Was für einen Sinn macht denn die Suche nach Frauen, wenn man eh keine Antwort auf die zig versendeten individualisierten Anfragen bekam? Doch irgendwann packte mich immer mal wieder die Lust und ich startete eine neue Offensive.

Mit der Zeit hatte ich mich bestimmt bei gut einem Dutzend Plattformen angemeldet, bei den meisten davon war ich jedoch inaktiv, da dort das Frauenangebot recht übersichtlich war (auch wenn die Werbung anderes versprach). Zudem kostete es bei den meisten davon etwas für Männer, wenn man Frauen kontaktieren wollte, die Anmeldung war selbstverständlich kostenlos. Auf single.de war das mittlerweile auch so. Es müsste eine der ersten Plattformen gewesen sein, bei denen ich mich 1999 oder wenig später angemeldet hatte und inzwischen besaß ich dort einen lebenslangen Account, mit dem ich kostenlos Nachrichten schreiben konnte. Das sollte noch wichtig sein, doch fragt mich nicht, wie ich zu diesem Account gekommen bin, bezahlt habe ich dafür jedenfalls nicht. Wöchentlich gab es nun Mails, in denen neue bzw. interessante Profile vorgestellt wurden, allerdings wurde dabei nur das Profilbild angezeigt. Doch ein Bild reichte schon aus, um mein Interesse zu wecken. "Ja, die würde mir gefallen" dachte ich mir, aber ich wagte nicht den Schritt, sie anzuschreiben. Bei der Partnersuche soll man ja realistisch bleiben und somit auch einschätzen, ob der Gegenüber zu einem passen würde. Für mich war jedoch klar, dass ich bei ihr keine Chance haben würde. Umso überraschter war ich, als ich einige Tage später eine Nachricht von eben dieser Person vorfand. Gut, es war vielmehr ein Anstupser, aber ich war dennoch mehr als froh. Ich schaute mir dann auch mal genauer ihr Profil an (auch wenn ich das schon beim ersten Mal getan hatte) und ich entdeckte auf mindestens einem Bild auch einen Hund, eigentlich ein Ausschlusskriterium. Doch vielleicht war es auch gar nicht ihrer. Ich überlegte hin und her, doch wie oft wird man von solch einer hübschen Frau angestupst, die man auch noch vom ersten Mal an interessant fand? Also haute ich in die Tasten und schrieb drauf los. Zurück kam kein Dreizeiler, sondern ebenfalls mehr Text als ich sonst gewohnt war. Wir schrieben uns mehrfach täglich und die Geschichte nahm ihren Lauf. Es kam auch recht schnell zum ersten Treffen, das ich persönlich als "Best Date ever" bezeichnete, auch wenn es nicht perfekt begann. Ich kam nämlich zu spät (die Bahn war Schuld, ehrlich), der Hund wurde mit zum Treffen gebracht, wollte auch gleich an mir hochspringen ("Das macht der sonst nie") und wurde mir kurze Zeit später beim Beseitigen der Notdurft in die Hand gedrückt. Wir ließen uns in einem kleinen Café nieder und hatten einiges zu erzählen. Zum Abschluß umarmten wir uns, wobei sie mich gleich nach dem nächsten Treffen fragte (was mir so auch noch nie passiert ist). Wir gingen also zum Brunch, ins Kino, zu ihr nach Hause, wobei wir uns Akte X anschauten, dennoch ließen wir das Ganze vergleichsweise langsam angehen. Natürlich war sie auch mal in meiner Wohnung zu Gast, doch da fiel mir erst mal auf, wieviel Haushaltsgegenstände mir da noch fehlten. Die Treffen fanden dennoch regelmäßig statt (vorzugsweise bei ihr, damit sie nicht im Dunkeln durch die Stadt fahren musste), das Wochenende verbrachten wir dann meistens zusammen.

Nach unserem ersten gemeinsamen Urlaub zog ich dann testweise bei ihr ein. Das klappte dann so gut, dass aus dem Test ein Dauerzustand wurde. Wir begannen also, uns eine größere Wohnung zu suchen (wir hatten beide nur 40m²-50m² zur Verfügung) und fanden nach einigen Anläufen auch eine passende. Aus dem dritten Zimmer wurde zunächst ein Arbeitszimmer, doch auch das sollte sich später ändern. Denn irgendwann wurde mir schließlich offenbart, dass da jemand schwanger ist (und ich war daran nicht gerade unbeteiligt). Zeit wurde es allemal, denn wir beide werden ja auch nicht jünger und das oder die Kinder sollen ja auch was von ihren Eltern haben. Im November 2014 war es dann soweit, seitdem sind wir nun offiziell Mutter und Vater. Jetzt hat man natürlich bestimmte Vorstellungen ans Elternsein, doch diese entsprechen nicht unbedingt der Realität. Wer denkt, er kann im ersten Jahr Elternzeit neue Projekte angeht, da man ja viel Zeit habe, den muss ich enttäuschen. Ja, am Anfang schläft das Kind noch relativ viel, wenn es wach wird (und das passiert relativ oft) muss man für es da sein. Zudem fallen noch ganz andere Aufgaben an. Später ist man dann froh, wenn das Kind überhaupt mal schläft. Auch die finanzielle Belastung ist nicht zu unterschätzen, denn mindestens ein Partner erhält nicht mehr das volle Gehalt und Kinder sind wirklich teuer, allein die Kosten für die Erstausstattung sollte man nicht unterschätzen. Gebrauchte Sachen sind durchaus eine Alternative, insbesondere bei der Bekleidung werden einige Stücke ja nur wenige Wochen, wenn überhaupt, getragen, danach passen sie einfach nicht mehr. An Unterstützung mangelt es uns zum Glück nicht. Kinder können aber auch anstrengend sein. Man hört zwar immer wieder "Das ist ja eine ganz Liebe, sie schreit ja auch nie", doch die Realität sieht durchaus anders aus. Wir können uns aber wirklich nicht beklagen. Natürlich ist solch ein Kind auch mal unzufrieden (für einen selbst wären das nur Kleinigkeiten), insbesondere das Hinlegen wird nicht mehr gemocht, sobald man krabbeln kann. Abends einschlafen klappt auch nicht immer auf Anhieb, aber meistens schon, wir können uns da wahrlich nicht beschweren, im Großen und Ganzen ist sie recht pflegeleicht. Die Entwicklung zu beobachten macht unglaublich viel Spaß. Die eine Woche kann sie nur rückwärts krabbeln (und wundert sich, dass es nicht vorwärts geht), kurze Zeit später ist sie schon auf dem Weg vom Wohnzimmer zur Küche und noch etwas später kann sie schon stehen. Auf diesem Stand ist sie nun nach 9 Monaten angelangt. Wenn man hautnah dabei ist und einen Menschen großwerden sieht ist das dabei immer noch etwas anderes als wenn man ein Kind nur alle paar Wochen (wenn überhaupt) zu sehen bekommt. Ich kann mein Glück jedenfalls immer noch nicht fassen.
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Am I who you think about in bed?snuffkin on 3. August 2015 20:13 (UTC)
<3 voll der schöne bericht
Tommy: Harry Pottertommy79 on 4. August 2015 20:22 (UTC)
Vielen Dank :)
Sunnyamato_sole on 10. August 2015 14:47 (UTC)
<3 hach. Einfach nur hach. <3
Tommy: Harry Pottertommy79 on 10. August 2015 20:44 (UTC)
Ja :)